Persoenlichkeit

(Autor: Roland Gmünder / Last Update – 26.11.2012)

Die Kunst, sich selber zu erkennen

Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter. Studien behaupten, der Charakter eines Menschen sei schon mit 3 Jahren festgelegt. Doch stimmt das? Bedeutet dies, dass sich der Mensch ab dann nur noch innerhalb schmaler Bandbreiten weiterentwickeln kann? Was macht den menschlichen Charakter überhaupt aus? Welche Persönlichkeitstypen gibt es? Und wie kann ich an meinem Charakter arbeiten? „Erkenne dich selbst“ stand schon auf dem Fries des Tempels von Delphi.

Wie entsteht Charakter?

Wie wir sind, das hängt auch mit unseren genetischen Anlagen zusammen. Zum grossen Teil wird jedoch der Charakter in den ersten Lebensjahren durch Erziehung in der Familie geprägt. Und zwar nachhaltig. „Es ist eine Tatsache, die mir in meiner praktischen Arbeit immer wieder überwältigend entgegentritt, dass der Mensch nahezu unfähig ist, einen anderen Standpunkt als seinen eigenen zu begreifen und gelten zu lassen“, stellte der Psychoanalytiker C. G. Jung, ein Zeitgenosse von Sigmund Freud, fest. Eine neuseeländische Langzeitstudie der Universität Otago aus dem Jahr 2000, die Kinder aus der Stadt Dunedin vom dritten bis zum 21. Lebensjahr begleitete, kam zum Ergebnis, dass der Mensch schon mit drei Jahren charakterlich festgelegt ist und seine Lebenskurve einer Art innerem Programm folgt.

Wie das Gehirn den Charakter formt

Die moderne Neurowissenschaft geht davon aus, dass unsere neuronale Architektur bestimmt, was wir fühlen und wer wir sind. Das Gerüst, die neuronalen Bahnungen verzweigen sich seit dem Kleinkindesalter. Über die Nervenzellen werden wichtige Informationen zum Gehirn transportiert. Ein bestimmtes Denken, das durch Erziehung und Umwelt beeinflusst wird, bahnt sich oft dieselben neuronalen Wege durch das Gehirn – gern werden immer wieder die ausgetretenen Pfade genommen. Wir können uns aber dennoch verändern „Das Gehirn ist ein permanent lernendes System“, sagt Joachim Bauer, Professor für Psychoneuroimmunologie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin am Universitätsklinikum Freiburg. „Jede markante Erfahrung verändert die synaptischen Verschaltungen im Nervenzellen-Netzwerk“, sagt der Neurobiologe. Diese Verschaltungen beeinflussen dann, wie wir uns beim nächsten Mal verhalten. Neue Erfahrungen führen zum weiteren Ausbau der Netzwerke. „Dieser Prozess, den man ,neuronale Plastizität’ nennt, geht lebenslang weiter“, erklärt Bauer. Der Mensch kann also durch Erfahrung und Lernen an seiner neuronalen Architektur permanent bauen.

Erkenne dich selbst

„Wir können unseren Charakter auch noch später formen“, ist der Psychotherapeut Mathias Jung überzeugt. Einerseits sei der Charakter zwar Schicksal – weil man sich sein Elternhaus nicht aussuchen könne. Andererseits sei es in einem Entwicklungsprozess die grosse Aufgabe des Menschen, sich zu erkennen und zu verändern. Zurückzuschauen und zu fragen: Wie bin ich das geworden, was ich bin? Aber auch sich von Altem zu verabschieden, um Neues zu beginnen: „Eine Schlange, die sich nicht häutet, stirbt“, sagte Friedrich Nietzsche.


Wo finde ich weitere Informationen zum Thema Persöhnlichkeit?

-    Persöhnlichkeit als Forschungsgegenstand der Psychologie

-    Big-Five-Persönlichkeitstest

-    Zeit zu leben

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