am Anfang war das Wort

(Autor: Roland Gmünder / Last Update – 15.01.2013)


Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott,
und Gott war das Wort. 

Dasselbige war im Anfang bei Gott. 

Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und
ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist. 

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht scheinet in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht begriffen.

Johannes 1:1



Das schöpferische Wort, in der griechischen Ursprache Logos, ist eine Offenbarungsform Gottes. Logos, das sprachlich mit Licht verwandt ist, ist auch das Gesetz, die Tora etc. Als Wort ist es vor allem Schwingung. Schwingung bewirkt Resonanz. Auf dieser Grundlage beruht die Wirkung des Wortes als magisches Mittel zur Beeinflussung von Geist und Psyche.

Beim Wort sind es vor allem die Vokale, welche der Sprache als Schwingungszentren Leben geben. Die Wirkung dieser Schwingungen auf der physischen Ebene kann z.B. anhand der sog. Chladnischen Klangfiguren unmittelbar sichtbar gemacht werden.

Im Wissen um die Bedeutung und Wichtigkeit des Klanges und damit der Vokale für die Sprache, wurden früher in hieratischen Sprachen wie Hebräisch und Ägyptisch, die Vokale nicht geschrieben. Es gab für diese keine Schriftzeichen.

Gewisse Worte durften gar nicht ausgesprochen werden, es sei denn unter Beobachtung von umfangreichen rituellen und religiösen Schutzmassnahmen. Das bekannteste Beispiel dafür ist der hebräische Gottesnamen JHVH. Eine andere Form und Schreibweise dieses Namens war IAO.

Diese drei Lautzeichen waren in vielen alten Traditionen die wirksamsten und “heiligsten” der Vokale. Zwei davon, das A und das O, das Alpha und das Omega, galten auch bei uns als Name Gottes (wobei natürlich die dazwischen liegenden Buchstaben mitgemeint waren).

Die Vokale IAO sind sehr alt, ehrwürdig und energiereich. Sie sind, wie keine anderen, geeignet, geistige Schwingungen und geistige, ja göttliche Energien zu speichern, oder besser, diesen als Träger zu dienen. Damit verbunden ist natürlich auch die Möglichkeit, mit diesen Vokalen geistige Kräfte und Ladungen wachzurufen und zu übertragen.

Der Umgang mit Vokalen, die als geistig-göttliche Ladungsträger dienen, bedingt Vorsichtsmassnahmen ritueller und magischer Art. (Wie anhand des Beispiels des hebräischen Gottesnamens schon erwähnt wurde.)

Die “Ladung” selber war immer das Werk eines Eingeweihten der höchsten Stufe. Das mit den heiligen Kräften geladene Wort war sein Vermächtnis an seine Schüler. Zugleich hinterliess er auch die Anweisungen, von diesem Wort den rechten Gebrauch zu machen, es sorgfältig zu bewahren und nur an für würdig Befundene weiterzureichen.

Der Gebrauch der Vokale IAO als geheime Überlieferung sowie deren kultischer Schutz und Umgang kann beinahe lückenlos vom Altertum bis in die Neuzeit beobachtet werden. Allerdings können für diese Beobachtung kaum Dokumente herangezogen werden (Schliesslich wurde fast alles was im Zusammenhang damit stand, als Geheimnis nur mündlich überliefert) aber viele Kunstwerke aus alter und aus neuerer Zeit bestätigen diese These.

Dabei muss in Betracht gezogen werden, dass die Wirksamkeit der göttlichen Ur-Schwingung IAO nicht nur auf der Lautschwingung beruht, sondern auch auf der Form des Zeichens. Diese Form beruht keineswegs auf Willkür, sondern ist eine vollendete Umsetzung des Klanges in eine geometrische Form.

Wenn wir also in Kunstwerken nach Spuren dieser Kräfte suchen wollen, dann müssen wir uns nach den entsprechenden Formen umsehen.

Diese Formen stehen untereinander in einem bestimmten Zusammenhang, der nicht zufällig ist, sondern die ihnen innewohnende Ordnung aufzeigt.

Von da her stammt auch der Formenkanon, der in Architektur und Kunst noch bis in die Barockzeit hinein Verwendung fand. Da waltet keine Willkür, und nichts rein zweck- und verstandesmässig Erklügeltes ist zu finden, sondern reines inneres Leben, das sich seine Form selbst, aus sich selber, erschafft.

Bei der kultischen-rituellen Beschäftigung mit diesen Lauten, d.h. z.B. bei der mantrischen Meditation, muss deshalb immer auch die Visualisation mit einbezogen werden. Visualisation heisst sich den Laut auch als Zeichen vorstellen.

In den Vokalen 


                                IAO 


haben wir die weltschöpferische Urformel, das magische Ur-Wort, den Keim des Tempels, der geheime und unaussprechliche Name Gottes – das grosse Ur-Mantra.

Comments are closed.