Wie funktioniert Wahrnehmung?

(Autor: Roland Gmünder / Last Update – 02.02.2013)

Wie funktioniert Wahrnehmung

Der Mensch ist von Beginn seines Lebens an darauf festgelegt, zu glauben, dass die Welt, in der er lebt, eine absolute materielle Realität darstellt. So wird er erwachsen, unter der Einwirkung dieser Konditionierung, und er baut sein gesamtes Leben unter diesem Gesichtspunkt auf. Die Erkenntnisse moderner Wissenschaft haben jedoch eine vollständig andere Realität enthüllt als bisher vermutet.

Alle Informationen, die wir über die externe Welt haben, werden uns über unsere 5 Sinne vermittelt – die Welt, die wir kennen besteht aus dem, was unsere Augen sehen, unsere Ohren hören, unsere Nase riecht, unsere Zunge schmeckt und unsere Hände fühlen. Der Mensch hat seit seiner Geburt nichts anderes als seine 5 Sinne und alles, was er über die externe Welt weiss, wird im über diese 5 Sinne mitgeteilt. Die Forschung hat jedoch in jüngster Zeit ganz erstaunliche Dinge herausgefunden über das, was wir die externe Welt nennen. Die Tatsachen, die dabei ans Licht kamen, enthüllten ein geradezu unmöglich scheinendes Geheimnis über die Materie, aus der die externe Welt besteht. So äußerte sich Frederik Vester, Professor der Gehirnforschung, hierzu sehr deutlich: „Die Äußerungen einiger Wissenschaftler, die vorschlagen, dass der Mensch nur eine Bildgestalt sei, dass alles, was erlebt wird, vorübergehend und illusorisch sei, und dass dieses Universum ein Schatten sei‘, scheinen heutzutage durch die Wissenschaft bestätigt worden zu sein.“ Vester wollte damit andeuten, dass es einige wenige Wissenschaftler gab, die dies bereits für sich erkannt hatten, aber von dem Großteil der Naturwissenschaften nicht akzeptiert worden waren.

Um dieses Geheimnis hinter der Materie besser verstehen zu können, sollten wir uns an das erinnern, was wir über den Gesichtssinn wissen, der uns die meisten unserer Wahrnehmungen der externen Welt liefert.


Wie sehen wir?

Sehen ist eine biologische Funktion, die aus sukzessiv ablaufenden Einzelvorgängen besteht – ein Lichtstrahl fällt von einem Objekt auf das Auge und passiert die Augenlinse, wodurch er gebündelt wird und anschliessend auf die Netzhaut im Innern des Auges fällt. Durch die Netzhaut wird der Lichtstrahl in elektrische Signale umgewandelt und über den Sehnerv durch einen neuronalen Vorgang ins Sehzentrum im Hinterkopf geleitet. Der eigentliche Akt des Sehens findet also tatsächlich im Sehzentrum statt.

Alle Bilder, die wir in unserem Leben sehen, alle Ereignisse, die wir optisch wahrnehmen, erleben wir in diesem kleinen und völlig dunklen Organ. Dieser Text und auch die grenzenlose Landschaft, die Du erblickst, wenn Du aus dem Fenster schaust, passen also in dieses Areal von der Grösse von nur wenigen Kubikzentimetern.

Nun lass uns diese Informationen genauer untersuchen. Wenn wir sagen „wir sehen“, dann sehen wir tatsächlich den Effekt, den die Lichtstrahlen, die unsere Augen erreichen, verursachen, nachdem sie in elektrische Signale umgewandelt worden sind. Wenn wir also sagen „wir sehen“, dann sehen wir die elektrischen Signale in unserem Gehirn.

Es gibt einen anderen Punkt, den wir nicht vergessen dürfen: das Gehirn ist vom Licht völlig isoliert – daher ist sein Inneres völlig dunkel. Deshalb ist es niemals möglich, dass das Gehirn direkt mit Licht in Kontakt kommt. Das ist eine interessante Situation, die ich mit einem Beispiel möchte. Nehmen wir an, vor uns befände sich eine brennende Kerze, deren Licht wir sehen. Während wir das Licht sehen, sind das Innere unseres Schädels und unser Gehirn absolut dunkel. Das Licht der Kerze erleuchtet weder unser Gehirn noch unser Sehzentrum – und trotzdem sehen wir eine farbige, helle Welt in unserem dunklen Hirn. Dasselbe gilt für alle anderen unserer Sinne – Geräusche – wenn wir etwas ertasten – Geschmack – Duft – alle werden als elektrische Signale aufgenommen. Deswegen wird das Gehirn unser ganzes Leben lang niemals mit dem Original der um uns herum existierenden Materie konfrontiert, sondern nur mit einer elektrischen Kopie von ihr. An diesem Punkt müssen wir also feststellen, dass wir uns in die Irre führen, wenn wir annehmen, dass diese Kopien reale Materie sind, die sich ausserhalb von uns selbst befindet.
 

Die „externe Welt“ in unserem Gehirn

Diese physikalischen Fakten bringen uns zu einer unbestreitbaren Schlussfolgerung: alles, was wir sehen, anfassen, hören und als Materie, die Welt oder das Universum wahrnehmen, sind nichts als elektrische Signale in unserem Gehirn. Wenn wir also einen Vogel sehen, so befindet sich dieser Vogel nicht in der externen Welt, sondern in unserem Gehirn. Die Lichtpartikel, welche von dem Vogel reflektiert werden, erreichen unser Auge und werden hier in elektrische Signale umgewandelt. Diese Signale werden durch Neuronen ins Sehzentrum unseres Gehirns übermittelt. Der Vogel, den wir sehen, besteht also tatsächlich aus elektrischen Signalen in unserem Gehirn. Würde man den Sehnerv, der vom Auge ins Gehirn führt, unterbrechen, so würde das Bild des Vogels plötzlich verschwinden. Dasselbe gilt für das Gezwitscher des Vogels, welches wir hören. Wenn der Nerv, der das Gehör mit dem Gehirn verbindet, unterbrochen würde, so wäre kein Laut mehr zu hören. Der Vogel, dessen Form wir sehen und die Geräusche wir hören, sind nichts als elektrische Signale, die vom Gehirn ausgewertet werden.

Ein weiterer Punkt, der hier betrachtet werden soll, ist unsere Wahrnehmung von Entfernung. Der Abstand zwischen Dir und diesem Bildschirm ist nichts anderes als ein Gefühl des Raumes, das in unserem Gehirn gebildet wird. Auch Objekte, die sich aus der Sicht eines Menschen weit entfernt befinden, sind tatsächlich Bilder, die in einem bestimmten Bereich des Gehirns zusammengesetzt werden. Wenn Du zum Beispiel die Sterne beobachtest, so nimmst Du an, dass sie Millionen Lichtjahre von Dir entfernt sind. Tatsächlich aber sind die Sterne in Dir selbst – im Sehzentrum Deines Gehirns. Während Du diesen Artikel liest, bist Du in Wahrheit nicht in dem Raum, in dem Du glaubst, Dich zu befinden. Im Gegenteil befindet sich der Raum in Dir. Weil Du Deinen Körper sehen kannst, glaubst Du, Dich in ihm zu befinden. Doch auch Dein Körper ist nur ein Bild, das in Deinem Gehirn entsteht.


Ist die Existenz einer Aussenwelt zwingend erforderlich?

Wir haben wiederholt von einer externen Welt oder Aussenwelt gesprochen und von einer Welt der Wahrnehmungen, die in unserem Gehirn entsteht und die wir tatsächlich sehen. Da wir aber die Aussenwelt tatsächlich niemals erreichen können, wie können wir dann sicher sein, dass sie überhaupt real existiert? Wir können es nicht. Die einzige Wirklichkeit, die uns zugänglich ist, ist die Welt der Wahrnehmungen unseres Verstandes. Wir glauben nur deswegen an die Existenz von Objekten, weil wir sie sehen und fühlen können, und sie durch unsere Sinne widergespiegelt werden. Doch unsere Wahrnehmungen sind nichts anderes als Gedanken unseres Verstandes. Daher sind alle Objekte, die wir wahrnehmen, nichts als Ideen, die nirgendwo sonst existieren. Wenn diese Ideen aber nur in unserem Verstand existieren, so bedeutet dies, dass wir durch unsere Wahrnehmungen getäuscht werden, wenn wir uns das Universum und alles, was sich in ihm befindet, als etwas vorstellen, was ausserhalb unseres Verstandes existiert. Zu glauben, Materie existiere ausserhalb unseres Verstandes, ist in der Tat eine Täuschung. Unsere Wahrnehmungen könnten durchaus von einer künstlichen Quelle stammen.

Ein Beispiel: Lass uns annehmen, wir könnten unser Gehirn aus unserem Körper entnehmen und in einem Glasbehälter ein Jahr lang am Leben halten. Nun nehmen wir einen Computer, in dem jede Art Information gespeichert werden kann. Wir übertragen die elektrischen Signale, die durch Bilder, Geräusche und Gerüche entstehen auf diesen Computer. Nun verbinden wir diesen Computer über Elektroden mit den Wahrnehmungszentren in unserem Gehirn und wir übertragen die zuvor dem Computer übermittelten Daten nun auf unser Gehirn. Wenn unser Gehirn diese Signale wahrnimmt, wird es eine Welt sehen, die von diesen Signalen hervorgerufen wird. Diese imaginäre Welt würde existieren, solange der Datenstrom fliesst. Wir würden niemals bemerken, dass wir nur aus einem Gehirn bestehen. Es ist tatsächlich sehr einfach, dahingehend getäuscht zu werden, dass wir unseren Wahrnehmungen glauben, die uns vormachen, es existiere eine solide Welt, auch wenn gar keine Materie vorhanden ist, die mit ihr korreliert. Genau das passiert in unseren Träumen.


Die Welt der Träume

Für Dich ist Realität alles, was mit der Hand angefasst und mit dem Auge gesehen werden kann. In einem Traum kannst Du genauso alles mit der Hand anfassen und mit Deinen eigenen Augen sehen, doch in Wirklichkeit hast Du weder Hand, noch Auge, noch gibt es etwas, das angefasst oder gesehen werden könnte. Und trotzdem glaubst Du Deinen Wahrnehmungen und hältst den Traum für Realität. Du wirst also hinters Licht geführt. Jemand, der in tiefem Schlaf liegt, könnte sich selbst zum Beispiel in einer ganz anderen Welt sehen – er könnte träumen, er sei Pilot und fliege ein gigantisches Flugzeug – er könnte sogar den dadurch hervorgerufenen Stress spüren. Tatsächlich aber hat er sich keinen Schritt von seinem Bett entfernt. In seinen Träumen könnte er verschiedene Orte aufsuchen, sich mit Freunden treffen, mit ihnen plaudern und mit ihnen zusammen essen und trinken. Obwohl all diese Wahrnehmungen keinerlei Bezug zu real existierender Materie haben, werden sie vollkommen realistisch erlebt. Erst wenn der Träumende aufwacht, wird er merken, dass alles nur Wahrnehmungen waren. Wenn wir also in unseren Träumen so leicht in einer irrealen Welt leben können, so kann dasselbe auch auf die Welt zutreffen, in der wir leben. Wenn wir aus einem Traum aufwachen, gibt es keinen logischen Grund, nicht zu glauben, wir befänden uns nun in einem anderen, längeren Traum, den wir das reale Leben nennen. Der Grund, warum wir unseren Traum als Illusion empfinden und die Welt als Realität, liegt in unseren Gewohnheiten und Vorurteilen. Dies bedeutet, dass wir auch aus dem Leben in dieser Welt, von dem wir annehmen, es sei real, erwachen könnten wie aus einem Traum.


Wer oder was ist es, das wahrnimmt?

Nach den erörterten physikalischen Fakten ist dies die zentrale Frage. Wenn alle physikalischen Ereignisse, die wir kennen, im Wesentlichen Wahrnehmungen sind, was ist dann mit unserem Gehirn? Da das Gehirn wie unsere Arme, Beine oder jedes andere Objekt, aus Materie besteht, muss es folglich ebenfalls eine Wahrnehmung sein.

Ein Beispiel wird dies verdeutlichen: nehmen wir an, wir könnten unsere Sehnerven verlängern und unser Gehirn aus dem Kopf nehmen, sodass wir es mit unseren Augen sehen und mit unseren Fingern berühren könnten. So würden wir erkennen können, dass unser Gehirn auch nichts Anderes ist eine Wahrnehmung, die von unserem Gesichtssinn und unserem Tastsinn verursacht wird.

Was ist dann aber der Wille, der sieht, hört und mit all den andern Sinnen wahrnimmt, wenn nicht das Gehirn? Wer ist es, der sieht, hört, tastet, Geschmack und Geruch wahrnimmt? Wer ist das Wesen, das denkt, Gefühle hat, und mehr noch, der sagen kann: ich bin ich. Ein grosser Denker unserer Zeit, Karl Pribram, stellte dieselbe Frage nach der Identität des Wahrnehmenden: „Seit der griechischen Antike grübeln die Philosophen über “den Geist in der Maschine”, “den kleinen Menschen im Menschen” usw. Wo ist das Ich, die Entität, die das Gehirn benutzt? Wer ist es, der den Akt des Wissens vollzieht? Oder, wie der Heilige Franziskus von Assisi sagte: “Wir halten Ausschau nach dem, was Ausschau hält.”

Dieses metaphysische Wesen, welches das Gehirn benutzt, das sieht und fühlt, ist die Seele – was wir reale Welt nennen, ist die Gesamtheit der Wahrnehmungen, die von der Seele gesehen und gefühlt wird. Genau wie die Körper, die wir besitzen, und die materielle Welt, die wir in unseren Träumen sehen, keine physikalische Realität besitzen, so hat auch das Universum, das wir bewohnen, keinerlei physikalische Realität. Das eigentliche, absolute Wesen ist die Seele – Materie besteht lediglich aus den Wahrnehmungen der Seele.

Selbst wenn wir von der Annahme ausgehen, dass Materie real ist, so führen uns doch die Gesetze der Physik, der Chemie und der Biologie zu dem Faktum, dass Materie eine Illusion ist, und zur unvermeidlichen Tatsache, dass Materie metaphysisch ist. Das ist das Geheimnis hinter der Materie.

Diese unwiderlegbare Tatsache alarmiert einige materialistische Wissenschaftler, die Materie für die absolute Existenz halten. Der Wissenschaftsautor Lincoln Barnett schreibt in seinem Buch „Das Universum und Dr. Einstein“: »Im Einklang mit der Philosophie haben auch Wissenschaftler mit dem Abbau aller objektiven Realität bis auf eine Schattenwelt von Wahrnehmungen die alarmierenden Grenzen der menschlichen Sinne erkannt.«

All dies führt uns zu einer bedeutsamen Frage: Wenn die Dinge, die wir als Materie auffassen, lediglich aus Wahrnehmungen unsere Seele bestehen, was ist dann die Ursache dieser Wahrnehmungen? Bei der Beantwortung dieser Frage müssen wir bedenken, dass Materie keine eigenständige Existenz besitzt, sondern selbst eine Wahrnehmung ist. Aus diesem Grund muss diese Wahrnehmung durch eine andere Kraft verursacht worden sein, was nichts anderes bedeutet, als dass sie erschaffen worden sein muss. Weiterhin muss diese Schöpfung andauern. Wenn es keine kontinuierliche Schöpfung gäbe, würde alle Materie verschwinden und verloren sein. Dies ist vergleichbar mit einem Fernsehgerät, auf dem ein Bild zu sehen ist, solange das Sendesehsignal fortdauert. Sobald die Übertragung gestoppt wird, wird auch das Bild verschwinden.


Das wirklich absolute Wesen

Wer oder was also bewirkt, dass unsere Seele die Erde, die Menschen und Pflanzen, unsere Körper und alles andere sehen kann? Es ist wahrscheinlich, dass es eine Schöpfung gibt, welche das ganze materielle Universum erschaffen hat – die Summe aller Wahrnehmungen. Diese Schöpfung dauert unaufhörlich an. Diese Schöpfung wird von vielen als die Göttliche Matrix bezeichnet.


Comments are closed.