Sonnenstürme

(Autor: Roland Gmünder / Last Update – 25.02.2013)

Sonnenstürme

Wie gefährlich ist ein Sonnensturm?

In der Weltuntergangsdebatte werden Sonnenstürme als mögliche Auslöser der erwarteten Katastrophe gehandelt. Im Gegensatz zu imaginären Bedrohungen aus dem All wie der Planet Nibiru existieren Sonnenstürme tatsächlich. Welche Bedrohung stellen sie dar?

Winzige geladene Teilchen strömen ständig von der Sonne weg – man nennt dieses Phänomen Sonnenwind. Er reist durch das Sonnensystem mit einer Geschwindigkeit von ca. 400 km pro Sekunde.

Wenn die Magnetfelder der Sonne zu viel Spannung entwickeln, entladen sie die Energie in spektakulären Explosionen. Dies geschieht in Gebieten mit Sonnenflecken. Millionen Tonnen von Materie werden in den Weltraum geschleudert und prallen auf Planeten oder Raumsonden, die sich im Weg befinden.

Bei solchen Explosionen wird der Sonnenwind zum Sonnensturm, mit einer Geschwindigkeit bis zu 800 km pro Sekunde. Die hochenergetische Strahlung (Röntgen- und Gammastrahlen) erreichen sogar Lichtgeschwindigkeit.

Was passiert, wenn eine solche Gaswolke auf die Erde zurast ? Der größte Teil der Wolke wird im Abstand von 60’000 - 70’000 km durch das Magnetfeld der Erde abgelenkt und um das von diesem Feld beherrschte Gebiet, der Magnetosphäre, herumgeführt. Jedoch kann die Magnetosphäre unter dem Druck eines besonders starken Sonnensturms verformt werden. Die Folge sind elektrische Ströme, die bis in die Ionosphäre etwa 100 Kilometer über der Erdoberfläche eindringen. Sie werden begleitet von Polarlichtern, die aufgrund der Deformation der Magnetosphäre bis in unsere Breiten sichtbar sind. Die Schwankungen dieser Ströme induzieren aber auch Überspannungen in großflächigen elektrischen Leitungsnetzen, die dann auch zum Ausfall des Netzes führen können.

Zusammen mit den Gaswolken werden bei den stärksten Sonnenstürmen auch sehr energiereiche Teilchen von der Sonne ausgestoßen. Diese sind gefährlicher, denn sie dringen tiefer in die Magnetosphäre ein. Sie können Erdsatelliten durchschlagen und durch ihre ionisierende Wirkung die Elektronik des Satelliten lahmlegen. In der Ionosphäre erhöhen sie die elektrische Ladungsdichte, die dann die Funkwellenausbreitung beeinträchtigt. So können GPS-Geräte während eines Sonnensturmes durch die Laufzeitverzögerung der GPS-Signale in der Ionosphäre fehlerhafte Positionen anzeigen.

Vor allem aber gefährden die energiereichen Teilchen die Besatzung der internationalen Raumstation, die dann kurzzeitig einer sehr hohen Strahlendosis ausgesetzt ist. Die Belastung an der Erdoberfläche ist gering, da die meisten Teilchen in der Erdatmosphäre stecken bleiben. Passagiere in Flugzeugen haben in 10’000 Kilometern Flughöhe etwa 80 Prozent der Atmosphäre unter sich gelassen und sind während solcher Ereignisse schon deutlich stärker gefährdet.

Wie häufig treten Sonnenstürme auf? Die Sonnenaktivität schwankt mit einer Periode von ungefähr elf Jahren. Grade haben wir das Aktivitätsminimum hinter uns und wir gehen auf ein neues Maximum in den Jahren 2012 bis 2014 zu. Im Minimum sind starke Sonnenstürme, welche die Erde beeinträchtigen, sehr unwahrscheinlich. Während der vergangenen Maxima gingen ungefähr drei bis fünf starke Sonnenstürme über die Erde hinweg. Die meisten von Ihnen werden diese Ereignisse gar nicht wahrgenommen haben und so wird es wahrscheinlich auch den zukünftigen Stürmen ergehen. Andererseits werden wir mit zunehmender Technisierung und Nutzung des erdnahen Weltraums durch die Sonnenstürme verwundbarer. Wenn also demnächst der Strom, eine Telefon- oder Fernsehübertragung ausfällt oder ihr GPS falsche Positionswerte liefert – ein Sonnensturm könnte die Ursache sein.

Was passieren könnte, wenn ein gewaltiger Sonnensturm direkt in Richtung Erde gefeuert würde, zeigt nachfolgende Dokumentation. Die Auswirkungen könnten verheerend sein, aber nicht, weil der Sonnensturm das Leben auf der Erde auslöschen würde, sondern weil die Infrastruktur, auf welche die meisten Menschen tagtäglich angewiesen sind, zerstört würde. Wir könnten uns also durchaus die Frage stellen, wie sinnvoll es ist, sich weiterhin vertrauennsvoll dieser trügerischen Sicherheit einer hochtechnisierten Welt hinzugeben.

Erst wenn ein Sonnensturm auf die Erde prallt, währenddem sich das Magnetfeld der Erde gerade umpolt, könnte es hier unten ziemlich ungemütlich werden. Wie gross diese Wahrscheinlichkeit ist - wir wissen es nicht.




Wie wir gesehen haben, sind die Stromnetze die Schlüsselinfrastruktur der heutigen modernen Gesellschaftt. Wir haben nun die Möglichkeit, in Angst vor der möglicherweise drohenden Katastrophe zu erstarren – oder aber  aktiv nach Auswegen zu suchen – sei dies durch  Veränderung der Lebensformen (z.B. Permakultur) oder bewussteren Umgang mit Energie. Die Zeit der freien Energie ist reif.

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