Erde – Polsprung

(Autor: Roland Gmünder / Last Update – 13.08.2013)

Polsprung

Der nächste Polsprung ist überfällig

Die Messungen zeigen, dass es etwa in Zeiträumen von durchschnittlich 300 000 bis 500 000 Jahren zu einem Polsprung kam. Da der letzte gemessene sich vor 780 000 Jahren ereignete, wäre der nächste also mehr als überfällig. Und womöglich hat der Prozess, der zu einer weiteren Polumkehr führt, bereits begonnen. Ein Indiz dafür ist, dass das Erdmagnetfeld seit Beginn der Messungen vor 170 Jahren bis heute um zehn Prozent schwächer geworden ist. Eine Ende 2005 veröffentlichte Studie ergab zudem, dass sich der magnetische Nordpol im vergangenen Jahrhundert um rund 1100 Kilometer von Alaska in Richtung Sibirien verlagerte. Dabei wanderte er in der Spitze mit 50 Kilometer pro Jahr im Zickzack durch die Tundra. Das Magnetfeld ändert sich also rasant.

Mittlerweile verstehen die Geologen auch weitgehend, was diese Polwanderung bewirkt. Erzeugt wird das Erdmagnetfeld vom sogenannten Geodynamo: Im Erdkern, der größtenteils aus flüssigem Eisen besteht, steigt heißes Magma bis an die Grenze zum Erdmantel auf. Dort gibt es seine Wärme ab, kühlt aus und sinkt wieder ab. Zugleich rotiert der Erdkern. Durch diese sich überlagernden Bewegungen fließt, wie bei einem Fahrraddynamo, im glutflüssigen Erdinnern ein Strom. Der Stromfluss wiederum bringt ein Magnetfeld hervor – eben das Erdmagnetfeld. Physiker nennen diesen Vorgang Induktion, er lässt sich bei jedem stromdurchflossenen Kabel beobachten.

Störungen im Geodynamo

Im Normalfall hat das Erdfeld zwei Pole. Doch offenbar kommt es in Abständen zu Störungen im Geodynamo. Sie destabilisieren das Magnetfeld. Es wird schwächer, gleichzeitig bilden sich weitere Magnetpole aus. Verringert sich die Feldstärke weiter wie bisher beobachtet, gibt es in etwa 1800 Jahren an der Erdoberfläche ein Feld mit vier Polen (Quadrupol). Es können auch acht Magnetpole entstehen. Damit geht ein Wechsel in der Flussrichtung des Feldes einher. Wenn sich die Störung abschwächt, verschwindet die Multipolstruktur wieder, zwei normale Pole bilden sich aus, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen. Dann stabilisiert sich das Feld wieder.

Magnetischer Wechsel: Die Pole spielen verrückt

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