Leben & Sterben

(Autor: Roland Gmünder / Last Update – 17.10.2013)

Kreislauf des Lebens

Die Seele kennt keinen Tod. Sich mit dem Sterben zu befassen, bedeutet, sich intensiv mit dem Leben auseinander zu setzen und umgekehrt. Jeder Anfang trägt sein Ende in sich; jedes Ende ist gleichzeitig ein Anfang. Geburt und Sterben sind eng miteinander verknüpft. Beides sind Übergangszeiten, ja Übergänge.

Die Entstehung des Lebens ist die Wiederholung der Schöpfungsgeschichte im Individuellen. Wenn ein Kind zur Welt kommt, ist es ein wenig so, als wenn Himmel und Erde für einen Augenblick zusammenkommen: Der Lebenswille eines Wesens muss das Leben behauchen. Das ist ein Wunder, das über die Biologie hinausreicht. Geburt ist Transformation und Initiation. Und zwar sowohl für das Kind als auch für die Mutter.

Beim Sterben ist es ähnlich. Wir bewegen uns wieder auf einen Übergang in eine neue Welt zu. Das Wissen, dass es keinen Tod gibt, macht das Leben umso lebenswerter. In den alten Mysterienschulen gehörte es dazu, diese Grundhaltung dem Tod gegenüber zu üben. Jede Schwangerschaft und Geburt war früher eine Frage auf Leben und Tod. Auch den Bedrohungen durch Hitze, Dürre, Überschwemmungen, Gewitter und wilden Tieren war man viel ungeschützter ausgesetzt als in der heutigen Zivilisation. Insgesamt herrschte die gelassene Grundeinstellung: Das Sterben kann jederzeit kommen, man muss damit rechnen, man ist dann nicht überrascht, sondern innerlich darauf eingestellt.

Es mag uns erstaunen, dass das Sterben und damit der Eintritt in die Zeitlosigkeit für die Seele keinen beängstigenden Aspekt hat. Es ist so wie bei einem Umzug in eine Stadt auf einem anderen Kontinent und der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Es gibt Menschen, für die ist ein Umzug eine Katastrophe, und so erleben sie auch das Sterben. Im Allgemeinen aber ist die Flexibilität der Menschen so gross, dass sie mit dem Gedanken des Umziehens gut leben können, auch wenn sie sich in ihrem bisherigen Umfeld wohl gefühlt haben. Sie empfinden ihn vielleicht sogar als spannend und freuen sich auf das, was sie an dem neuen Ort erwartet.

Ein Licht und Klarheit auf den Schatten des Sterbens scheinen zu lassen, lässt die Furcht davor verschwinden. Das Licht und die Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen Geburt und Sterben eröffnet uns die Möglichkeit zu erforschen, was uns der Tod im Leben schenkt: eine Verbindung, eine Erfahrung im Inneren der Seele mit dem, was niemals stirbt.

In jedem Erdenleben gibt es nur eine Chance auf diese Welt zu kommen und eine, um sie wieder zu verlassen.

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